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Lexikon

Spielmathematik: zehn Begriffe, mit denen man rechnet

Redaktion bonusseohneeinzahlung.comStand: 4. November 2026

Jede Zahl, die ein Glücksspiel über sich selbst angibt, beschreibt den Durchschnitt einer langen Folge von Spielen, und wer sie wie eine Zusage für den eigenen Abend liest, rechnet mit der falschen Größe. Neun der zehn Begriffe kommen aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung, der zehnte, die Steuer, aus dem Rennwett- und Lotteriegesetz, und die Pflichten, die an ihnen hängen, stehen im Glücksspielstaatsvertrag 2021; jede Norm haben wir am 3. oder 4. November 2026 an der amtlichen Quelle gelesen, jede Rechnung nachgerechnet.

Auszahlungsquote

Status
Pflicht für erlaubte Anbieter: § 22a Abs. 3 Satz 3 GlüStV 2021: Anzeige am Spiel

Die Auszahlungsquote, international „Return to Player“ oder kurz RTP, gibt an, welcher Anteil der Einsätze als Gewinn zurückfließt, und sie ist eine theoretische Größe: Man berechnet sie aus Spielregeln und Gewinnplan über alle möglichen Ausgänge, sie beschreibt also den Durchschnitt sehr vieler Spiele und verspricht für eine einzelne Sitzung nichts. Bei 96 %, der Quote unserer Beispiele, kommen von 500 € Einsätzen im Mittel 480 € zurück, und die übrigen 20 € sind der Hausvorteil von 4 %.

„Dem Spieler sind die Wahrscheinlichkeit auf den Gewinn des Höchstgewinns sowie die durchschnittliche Auszahlungsquote je einen Euro Spieleinsatz erkennbar anzuzeigen. Die Anzeige muss dort erfolgen, wo der Spieleinsatz getätigt werden kann.“

§ 22a Abs. 3 Satz 3 und 4 GlüStV 2021

Bei erlaubten virtuellen Automatenspielen steht die Quote deshalb in der Spielansicht, laut Merkblatt der GGL (Stand Juni 2026) „permanent erkennbar“ und einsehbar, ohne dass man vorher setzen muss; ein Risikospiel muss in sie „einberechnet“ sein, und eine Änderung der Quote ist der Behörde anzuzeigen. Wer die Zahl vor dem ersten Einsatz abliest, kann sie in den Verlustrechner übernehmen.

Hausvorteil

Status
Rechengröße: 100 % minus Auszahlungsquote, Roulette (eine Zero): 2,70 %

Der Hausvorteil (englisch „House Edge“) ist der Teil jedes Einsatzes, den ein Spiel auf lange Sicht einbehält, also 100 % minus Auszahlungsquote, und am klarsten zeigt ihn das europäische Roulette mit seinen 37 Feldern. Wer auf jede Zahl 1 € setzt, bekommt mit Sicherheit 36 € zurück (35 € Gewinn und den Einsatz) und verliert 1 € von 37, also 2,70 %, so viel wie bei jeder anderen Wette auf diesem Kessel, solange keine Regel wie „La Partage“ bei Zero die Hälfte der Einsätze auf einfache Chancen erstattet (dort dann 1,35 %).

Eine Mindestquote schreibt § 22a GlüStV 2021 für virtuelle Automatenspiele nicht vor, nur die Anzeige der Quote, also rechnet man den Vorteil selbst aus ihr aus (100 minus 96 ergibt 4 %), und wir halten ihn für die wichtigste Zahl eines Spiels, weil er an jedem gesetzten Euro mitrechnet.

Erwartungswert

Status
Rechengröße: Einsatz × (Auszahlungsquote − 100 %)

Der Erwartungswert, im Englischen „Expected Value“, ist das Ergebnis, das eine Wette im Durchschnitt bringt, wenn man jeden Ausgang mit seiner Wahrscheinlichkeit gewichtet, und bei einem Spiel mit Hausvorteil liegt er für den Spieler unter null. Auf Rot sieht unsere Rechnung so aus. Wer 10 € setzt, gewinnt in 18 von 37 Fällen 10 € und verliert sie in 19 Fällen (18 schwarze Zahlen und die Zero), und 180 € minus 190 €, geteilt durch 37, ergibt minus 0,27 € je Spin.

Erwartungswerte addieren sich, gleich in welcher Reihenfolge und Höhe die Einsätze kommen, und so kosten 50 solche Spins im Mittel 13,51 €, wie man die 500 € auch verteilt. Eine Rechtsnorm steht hinter dem Begriff nicht, er ist aber die Größe, die unsere Rechner ausgeben, der Verlustrechner für eine Sitzung und der Umsatzrechner für einen Bonus.

Volatilität

Status
Rechengröße: Keine Pflichtangabe nach § 22a Abs. 3 GlüStV 2021

Die Volatilität, englisch „Volatility“ und in Spielbeschreibungen auch „Varianz“, beschreibt, wie weit die Ergebnisse um den Erwartungswert streuen: Bei niedriger Volatilität kommen viele kleine Gewinne, bei hoher wenige große und dazwischen lange Strecken ohne Treffer. Zwei Wetten mit demselben Hausvorteil können sich darin weit unterscheiden.

Wer 37-mal 1 € auf eine einzelne Zahl setzt, bleibt nach unserer Rechnung in 36,3 % der Fälle ohne einen einzigen Treffer, wer dasselbe auf Rot tut, praktisch nie, und doch kosten beide Wetten 2,70 %. Weder § 22a Abs. 3 noch das Merkblatt der GGL nennen die Streuung unter den Pflichtangaben eines Spiels, und aus der Quote allein lässt sie sich nicht ablesen.

Trefferquote

Status
Rechengröße: GGL: ersetzt nicht die Höchstgewinnwahrscheinlichkeit

Die Trefferquote (englisch „Hit Frequency“) ist der Anteil der Spiele, die überhaupt mit einem Gewinn enden, gleich wie hoch er ausfällt, und über den Hausvorteil sagt sie nichts. Beim europäischen Roulette trifft eine Wette auf zwölf Zahlen in 32,43 % der Spins, eine auf sechs Zahlen in 16,22 % und eine volle Zahl in 2,70 %, und alle drei kosten auf lange Sicht dieselben 2,70 %, weil die seltenere Wette höher zahlt.

Nach dem Merkblatt der GGL darf die Höchstgewinnwahrscheinlichkeit am Spiel auch nicht durch die Wahrscheinlichkeit irgendeines Gewinns ersetzt werden, „einschließlich Kleingewinnen“, und wir lesen eine hohe Trefferquote deshalb als Angabe darüber, wie oft ein Spiel „trifft“, nicht darüber, was es kostet.

Höchstgewinn

Status
Pflicht für erlaubte Anbieter: § 22a Abs. 3 Satz 3 GlüStV 2021: Wahrscheinlichkeit

Der Höchstgewinn, auf Englisch „Max Win“, ist der größte Betrag, den ein Spiel in einer Runde auszahlen kann, und bei virtuellen Automatenspielen muss jeder Gewinn in einem vorab „festgelegten Vielfachen des Einsatzes“ bestehen (§ 22a Abs. 8 Satz 1 GlüStV 2021), ein wachsender Topf ist ausgeschlossen (Jackpotverbot). Anzuzeigen ist seine Wahrscheinlichkeit, laut Merkblatt der GGL mindestens für die höchsten Symbolwerte auf allen gespielten Linien und gegebenenfalls mit dem Hinweis, dass höhere Gewinne seltener möglich sind.

Als Formulierungsbeispiel nennt die GGL in ihren Auslegungshinweisen 1 : 72.939.461; lesen wir das als Wahrscheinlichkeit je Spiel, braucht es bei fünf Sekunden je Spiel bis zum ersten Treffer im Mittel rund 101.000 Stunden, mehr als elf Jahre ohne Pause. Werbung der erlaubten Anbieter muss zu Höchstgewinnen auch „über die Wahrscheinlichkeit von Gewinn und Verlust“ aufklären (Musternebenbestimmungen, Ziffer 5.12.4).

Zufallsgenerator

Status
Pflicht für erlaubte Anbieter: § 6e Abs. 2 GlüStV 2021: Prüfung mindestens jährlich

Der Zufallsgenerator, englisch „Random Number Generator“ (kurz RNG), ist das Programm, das bei virtuellen Spielen im Internet jedes Ergebnis bestimmt, und zwar unabhängig vom vorigen: Auf einem virtuellen Kessel mit 37 Feldern hat jede Zahl in jedem Spin die Wahrscheinlichkeit 1/37, wie oft sie zuletzt auch gekommen ist.

„Bei Glücksspielen im Internet verwendete Zufallsgeneratoren sind vor ihrem erstmaligen Einsatz und danach mindestens einmal im Jahr auf Kosten des Erlaubnisinhabers von einer von diesem unabhängigen sachverständigen Stelle, die von der zuständigen Erlaubnisbehörde zu bestimmen ist, auf ihre ordnungsgemäße Funktion zu überprüfen.“

§ 6e Abs. 2 Satz 1 GlüStV 2021

Das Ergebnis der Prüfung geht unverzüglich an die Behörde (Satz 2), und wer bei der GGL die Erlaubnis für virtuelle Automatenspiele beantragt, legt die Prüfberichte schon mit dem IT-Sicherheitskonzept vor (Merkblatt, Stand Juni 2026). Wiederholen kann man diese Prüfung nicht. Nachsehen lässt sich aber, ob ein Anbieter die deutsche Erlaubnis hat, an die sie gebunden ist, und dafür gibt es den Whitelist-Check.

Einsatzsteuer

Status
Rechtsbegriff: §§ 36 bis 38 RennwLottG: 5,3 %, Einsatz minus Steuer

„Einsatzsteuer“ ist ein Kurzname, im Gesetz steht das Wort nicht: Das Rennwett- und Lotteriegesetz, in Kraft seit dem 1. Juli 2021, erhebt auf virtuelle Automatenspiele die „Virtuelle Automatensteuer“ (§ 36) und auf Online-Poker die „Online-Pokersteuer“ (§ 46), beide mit 5,3 % (§§ 38 und 48), und es bemisst sie am Einsatz, nicht am Gewinn oder Verlust.

Bemessungsgrundlage ist der geleistete Spieleinsatz „abzüglich der Virtuellen Automatensteuer“ (§ 37); die Steuer steckt also im Einsatz, und wir haben nachgerechnet: 5,3 geteilt durch 105,3 ergibt 5,03 Cent je Euro, bei 200 € Einsatz 10,07 €. Schuldner ist der Veranstalter (§ 39), und den erwarteten Verlust des Spielers ändert die Steuer nach unserer Lesart nicht, denn der hängt an der angezeigten Quote je Euro Einsatz.

Gesetz der großen Zahlen

Status
Rechengröße: Mathematischer Satz, kein Rechtsbegriff

Das Gesetz der großen Zahlen (englisch „Law of Large Numbers“) besagt, dass sich der Anteil eines Ereignisses bei vielen Wiederholungen seiner Wahrscheinlichkeit nähert, und nicht, dass Abweichungen ausgeglichen werden. Die Zero des europäischen Roulettes (Wahrscheinlichkeit 1/37) kommt in 370 Spins im Mittel zehnmal, mit einer typischen Abweichung (einer Standardabweichung) von 3,1, in 37.000 Spins 1.000-mal, mit einer von 31,2.

Die absolute Abweichung wächst also, während die des Anteils von 0,84 auf 0,084 Prozentpunkte schrumpft, weil sie sich auf mehr Spins verteilt, nicht weil der Kessel nachholt. Auf diesem Satz beruht die „durchschnittliche“ Quote, die ein Spiel gemäß § 22a Abs. 3 Satz 3 anzeigen muss, und für den Spieler wirkt er nur in eine Richtung: Nach 1.000 gleich hohen Einsätzen auf Rot steht man nach unserer Rechnung noch in 18,8 % der Fälle im Plus, nach 10.000 nur in 0,33 %.

Spielerfehlschluss

Status
Rechengröße: Denkfehler; GGL: Hinweispflicht beim Risiko-Kartenspiel

Der Spielerfehlschluss, im Englischen „Gambler’s Fallacy“, ist der Glaube, ein Zufallsergebnis werde nach einer Serie „fällig“, nach neunmal Rot endlich Schwarz, nach langer Durststrecke endlich der große Gewinn. Zehnmal Rot in Folge ist auf dem europäischen Kessel selten, nach unserer Rechnung 1 : 1.347. Wer aber neunmal Rot gesehen hat, steht vor einem Spin, in dem Rot so wahrscheinlich ist wie im ersten, denn weder Kessel noch Zufallsgenerator haben ein Gedächtnis.

Beim Risiko-Kartenspiel, das manche Automatenspiele nach einem Gewinn anbieten, verlangt die GGL den Hinweis, dass die Farben der ausliegenden Karten „keinen Einfluss auf die Farbe der nächsten Karten“ haben (Merkblatt, Stand Juni 2026), und Werbung darf Ergebnisse nicht „als durch den Spieler beeinflussbar“ darstellen (§ 5 Abs. 2 Satz 7 GlüStV 2021). Wer liest, eine Zahl sei „überfällig“, hat den Fehlschluss vor sich, und kein System, das darauf baut, ändert den Hausvorteil.

Was die zehn Begriffe zusammen ergeben

Zusammen ergeben die Begriffe eine einzige Rechnung: Die Quote am Spiel liefert den Hausvorteil, der Hausvorteil mal die Summe aller Einsätze den erwarteten Verlust, und Volatilität und Trefferquote sagen nur, wie weit eine Sitzung davon abweicht. Den Vorteil wählt man mit dem Spiel, den Umsatz bestimmt man nach unserer Einschätzung fast ganz selbst, mit Einsatz, Takt und Zeit, und genau diese Größen nimmt der Verlustrechner auf, mit einem Monatsbetrag der Budgetrechner.

Häufige Fragen

Was bedeutet RTP bei Spielautomaten?

RTP steht für „Return to Player“, auf Deutsch Auszahlungsquote: der Anteil der Einsätze, den ein Spiel über sehr viele Runden im Durchschnitt zurückzahlt. Bei 96 % sind das auf lange Sicht 96 Cent je Euro, für eine einzelne Sitzung ist der Wert keine Zusage.

Wie hoch ist der Hausvorteil beim europäischen Roulette?

Mit einer Zero beträgt er 1/37, also 2,70 % auf jede Wette, sofern keine Sonderregel wie „La Partage“ ihn auf den einfachen Chancen halbiert.

Zahlt man in Deutschland als Spieler eine Steuer auf den Einsatz?

Die Virtuelle Automatensteuer von 5,3 % schuldet nach § 39 RennwLottG der Veranstalter. Sie wird aus dem Einsatz herausgerechnet, und der erwartete Verlust des Spielers ergibt sich weiter aus der angezeigten Quote und dem Umsatz.

Wird ein Gewinn wahrscheinlicher, wenn ein Spiel lange nichts ausgezahlt hat?

Nein, jedes Spiel ist vom vorigen unabhängig, und die Vorstellung, ein Gewinn sei „fällig“, ist genau der Spielerfehlschluss.